Über Joachim Lautenschläger

„... Immer wieder erblicken wir Häuser, auch in geometrisierenden, kristallinen Kompositionen ... in ihrer Farbigkeit intensiv, strahlend, wärmer, bei aller ins Flächige gehenden perspektivischen Neu-ordnung von großer räumlicher Tiefe. Das Haus als menschliche Behausung, auch wenn die menschliche Figur völlig fehlt. Das Haus als Zeichen, als humanistische Metapher, als Geborgenheit bietender Kubus. ... Wir können hier nur einen kleinen Teil seiner Arbeiten zeigen. Dennoch wird an dieser Auswahl der Reichtum eines Schaffens deutlich. Es vereint Dur und Moll und reicht von gestalterischer Strenge über einen Realismus in den Formen der Wirklichkeit bis zum spielerischen Experiment mit Inhalten, Formen und Techniken. Auch seine selbstverständliche Ablehnung jener modernen Doktrinen und Selbstvergötzungen wird deutlich ... Noch einmal sei auf Eva Strittmatter hingewiesen: In ihrem Gedicht »Vor einem Winter« trifft sie sehr genau jene Stimmung, die viele Bilder Joachim Lautenschlägers beherrscht: »… Ich mach ein Lied aus Stille. / Ich mach ein Lied aus Licht. / So geh ich in den Winter. / Und so vergeh ich nicht.«

Dr. Peter Michel: aus der Laudatio zur Ausstellung in der Berliner Galerie GBM, 2006.

 

 

„... Viele Künstler argumentieren auf der Ebene der Zeichen. Was Sehen aber ausmacht, ist, dass es uns in direkten Kontakt mit dem Sein bringt. Das Sein ist da und Lautenschläger bereitet es auf der malerischen Ebene auf mit einer Geschichte des Überlebens, kubistisch gedacht und in Farben von Grau bis Purpurrot. Manche Häuser stehen, als müsssten sie sich wärmen in ihrer Stummgefrorenheit, andere leuchten im Abendlicht. Lautenschläger spürt nach innen, während er schaut. Manchmal sieht es so aus, als haben sich die Gegenstände von sich aus der ruhenden Leinwand genähert – kriechend wie ein Tierpanzer, in Form eines Farbflächenkonglomerats. Joachim Lautenschläger sieht die Dinge komplex und wie sie sich zusammensetzen. Er wartet ab. Ein Maler auf Empfang. Die Bilder wispern die Antworten. Der Maler lauscht, heimgekehrt aus dem Tosen der Menschenplagen.“


Christoph Tannert: in „Katalog zur Landeskunstschau M-V“, 2008.

 

 

 „ ... Mit nur wenigen Kollegen teilt der Künstler das Können, selbst vom Stein zu drucken: Farblithografien von sieben oder mehr Steinen, wie die Zirkusblätter z.B. Sowohl in der Grafik, als auch im Gemälde hat der Zachower in der jüngeren Zeit zu intensiver Farbigkeit und zur Figur zurück gefunden. Lautenschläger ist ein Meister des Farbigen, des Feinen, des Strengen, des Schlichten und des Opulenten - und das widerspricht sich durchaus nicht. Lautenschlägers Gestalten zwischen Lachen und Weinen leben lustvoll und frei. Sie können selbstverständlich fliegen ... Sie tanzen und musizieren, und sie laden Sie ein. Treten Sie näher! Lautenschlägers Kunst dreht sich um die Balance von Intuition und Präzision, an der wir uns auch im Leben versuchen. Die Arbeiten des Künstlers berühren, sie inspirieren, sie atmen ...“


Inge Heuwold: Aus der Laudatio zur Ausstellung anlässlich des 65. Geburtstages des Künstlers in der Zwickauer Galerie am Domhof, 2009.

 
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